eine Orgel für

Carmen Sylvia,

eine Orgel für die Königin

"Das Leben ist eine Kunst, in der man nur zu oft Dilettant bleibt."

„Um Meisterschaft zu erringen,

muß man sein Herzblut vergießen."

Carmen Sylvia  Königin von Rumänien

Ehefrau von Karl I,  dem ersten König der Rumänen, einem Hohenzollern-Sigmaringen, der von 1881- 1914 den Thron in Rumänien innehat.

Carmen Sylvia, ebenfalls aus dem Württembergischen, hat sich im Jahre 1911 etwa eine Stunde mit dem Orgelbauer Oscar Walcker unterhalten und dabei die tragbare Tischorgel mit den 4 Registern, Principal 8', Bourdon 8', Aeoline 8', Flöte 4' in Auftrag gegeben. Das Instrument mit pneumatischer Kegellade, Walcker Opus 1288, ist dank eines glücklichen Umstandes bei einem Kantor in Koblenz gelandet. Wir haben uns ausgetauscht, er erhielt die Zeichnungen der Orgel, mir übersandte er das Bild der Königin.

 

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Bukarest, 1911

Wenn man die ungarische Tiefebene, von Hermannstadt kommend, ver­läßt, türmen sich die gewaltigen Höhen der Karpathen vor den staunen­den Augen. In wildzerklüfteten Tälern windet sich der Schienenweg zur Höhe empor. Wasser stürzen von kahlen Felsen herab. Endlose, tief-schwarze Wälder bedecken die Berge. Die Gebirgsnatur ist hier wild­romantisch, ursprünglicher wohl als in irgendeinem Gebirge Europas. Langsam senkt sich die Bahn, Sinaia, der Sommersitz der reichen Bukarester, taucht auf; vorbei an den turmhohen Bohrtürmen der Erd­ölfelder, die sich endlos dehnen, gehts der Hauptstadt des Landes ent­gegen. Winter ists, Schnee bedeckt das Land; auf den Bahnhöfen überall Gruppen von Bauern und Bäuerinnen, gleich mit dem wolligen Schafspelz gekleidet; ob Mann, ob Frau, ist nicht zu unterscheiden. Die Evangelische Gemeinde in Bukarest will 'eine neue Orgel bauen. Ein musik­begabter junger Organist sucht neues musikalisches Leben in die Gemeinde zu bringen. Die Orgel soll so groß werden, wie der Raum es nur irgend ermöglicht. Geld steht genügend zur Verfügung. Die deutsche Kolonie in Bukarest steht in hohem Ansehen, besitzt in dem Königspaar ihre stärkste Stütze. Der Hohenzoller Karol I. war Rumäniens erster König; er und seine Gattin Elisabeth sind von hoch und niedrig geachtet und geehrt. Der starke Zusammenhalt der Deutschen gründete sich nicht nur auf die Kirchengemeinde, sondern ebenso auf die ausgezeichneten Schulen, welche die deutsche Kolonie unterhält. Es ist ein Vergnügen, mit den maßgebenden Herren zu unterhandeln und zum Geschäftsabschluß zu gelangen. Ein dreimanualiges Werk mit 33 Registern sollte die Kirche zieren.

Die Orgel in der Kirche in Bukarest war fertig geworden. Alfred Sittard wurde auf meinen Vorschlag dorthin berufen, um ein Konzert zu geben, zu dem das Königspaar mit dem ganzen Hofstaat erschienen war. Wir wurden dem König vorgestellt. Sittard erhielt einen Orden, den ihm der König eigenhändig überreichte.

Die Königin ließ mir sagen, ich möchte am nächsten Morgen ins Schloß kommen, um eine kleine Orgel zu untersuchen und ihr dann selbst über den Zustand des Instruments zu berichten. Ich begab mich am ändern Morgen ins Königsschloß, wurde von einem Lakaien, der von Goldtressen strotzte, empfangen und zur Orgel geleitet. Nachdem ich das Werk untersucht hatte, führte mich eine Hofdame zur Königin Carmen Sylva. Ich hatte einstens das Buch „Die Lebenskunst" von ihr gelesen; aufhorchen ließen mich die Sätze: „das Leben ist eine Kunst, in der man nur zu oft Dilettant bleibt", „um Meisterschaft zu erringen, muß man sein Herzblut vergießen". Stahlharte Worte, die im Munde einer Frau einen besonderen Klang hatten. Vor mir tauchte das Bild einer Frau auf mit scharfgeschnittenen Zügen und kaltblickenden Augen. Neben klarer geistiger Bildung mußte wohl ein unbeugsamer Wille, der auch die äußersten Konsequenzen zu ziehen bereit ist, der klugen Frau innewohnen. Um so mehr war ich gespannt, diese Frau persönlich kennenzulernen. Eine hoheitsvolle, ganz in Weiß gekleidete Dame saß vor mir, das Haupt mit einem weißen Schleier umwunden, nur das Gesicht frei lassend. Ich berichtete ihr über den Zustand der Orgel, sie gab mir den Auftrag, das Werk wieder instandzusetzen. Des weiteren fragte sie mich, wie es in Württemberg stehe; sie erzählte mir nun in einer herzgewinnenden Art, wie der König an seiner schwäbischen Heimat hänge und sich immer freue, wenn er vom Schwabenlande höre. Ich entgegnete, daß auch wir Schwaben stolz auf unseren königlichen Landsmann seien, der mit so zäher Ausdauer dieses junge Kulturland auf eine hohe Stufe gebracht habe, und wie erstaunt der Fremde sei, wenn er von all den Anstalten für Volksbildung und den Werken der Nächstenliebe höre, an denen Rumänien vielleicht rei­cher sei als manches ältere Kulturland. Die Königin wurde wärmer und berichtete von den vielen Schwierigkeiten, die zu überwinden gewesen seien, seit sie ins Land gekommen, um das alles zu erreichen. Lebhaft erzählte sie, wie der König mit ihr vor der Thronbesteigung in Wien in großer Spannung die Königswahl abgewartet hätte, um dann in einem Triumphzug ins Land einzuziehen. Über eine Stunde dauerte der Empfang. Nachdenklich verließ ich das Schloß. „Um Meisterschaft zu erringen, muß man sein Herzblut vergießen": diese Worte klangen lange in mir nach.

 

 
Gesamtplan der Orgel Schnitt durch die Orgel
 

gwm 28.3.2005

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