eingefuegt am 26.April 2002 -     ergaenzt am 29.03.2008

 

      Die Quadratur des

      Kreises

  

geometrische und esoterische Elemente des mittelalterlichen Schaffens. 

Eine Reise mit Betrachtungen historischer Weltbilder, Menschenbilder, anläßlich eines Mensurenstudiums im April 2002 und im Sommer 2003 in Spanien

 

diese Grafik stellt das Strasbourger Münster dar. Irritierende Lichter kontrastrieren mit den filigranen gotischen Vertikallinien - eine andere Sichtweise, als es Monet bei seinen Bildern "Kathedrale in Rouen" bewerkstelligte.

 

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Wer wie ein "interrupted system" arbeitet, der wird mehr als es ihm lieb ist, in der Dauerschleife seines Hauptprogramms laufend von Nebensächlichkeiten aller Art unterbrochen. Eine dieser Nebensächlichkeiten war bei mir, die Entdeckung, dass das Mittelalter in seiner höchsten Schaffenskraft beim Kathedralenbau, auf einem simplen Konstruktionsprinzip aufbaute. Und zwar auf  die geometrische Konstruktion mit Quadrat und Kreis. Wobei wahrscheinlich wegen der bildhaften Darstellung in der Regel das Quadrat den Kreis umschließt. Als Orgelbauer hat mich anfangs interessiert, wie die Mensuren im Mittelalter konstruiert wurden, und auch hier wieder war es die geometrische Konstruktion mit Kreis und inliegendem Quadrat zu einer Mensur von 1:1,414 (1: Wurzel aus 2) führte, mit der man allgemein besser als mit der 1:1 Mensur arbeiten konnte. Diese ganzen Berechnungen sind hochinteressant, werden aber hier zunächst ausgeklammert. 

Die Geometrie, das wird jeder Leser hier sofort erkennen, war lange vor unserer Zeit eine durchweg lebendige Sache. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutete zunächst Landvermessung. Bei den Menschen des Mittelalters war sie wie auch noch in der Renaissance zutiefst durchflossen von Ästhetik und geheimnisvollem Zauber und Leben.

 

 
der circulo quadrato wird in den nachfolgenden Beschreibungen und Texten näher betrachtet. Hier ist es einfach das Quadrat, welches durch die vier Ecken, den vier Grund - Elementen, umschlossen vom Kreis, der Symbol des Himmels, der Ewigkeit ist. circulo quadrato.jpg (40314 Byte)
Vor dem 13. Jahrhundert wurde bei den Kathedralen nur wenig Zeichenaufwand betrieben, man kann sogar sagen, dass erst Albrecht Dürer die Zeichenmethoden der Steinmetze etwas dokumentiert hat. Um so mehr war ich blank erstaunt, eine zeichnerische Bestimmung der Rippenkrümmung aus einem Hüttenbuch um 1530 zu finden, aus dem nichts anderes, als eine elementare Kreisquadratur hervorging. (Bild bitte doppelclicken)

huette_259.jpg (11730 Byte)

Weitere Untersuchungen brachten zutage, dass alle Gesimskonstruktionen des Mittelalters über Kreis und innenliegendem Quadrat bewerkstelligt wurden. Dieser Umstand scheint mir deswegen so wichtig und erläuterungsfähig, da heute wieder viele gotische Konstruktionen gemacht werden. Das nachstehende Bild ist eine der einfachsten Profilkonstruktionen, wie sie im Orgelbau tausendfach verwendet werden - klar und deutlich erkennbar der Kreis, welches das Quadrat umschießt und eine Erklärung, wie das Ganze konstruiert wird. Profle_006.jpg (22434 Byte)
Auch auf den nachfolgenden Blättern sind Konstruktionszeichnungen, mit denen unsere VorvorVäter ihre Gehäuse und davor natürlich ihre Steinkonstruktionen erstellt haben Profile_006i.jpg (152182 Byte)
Auf diesem Blatt sind komplexe Profile dargestellt und konstruiert, wie jeder sogleich feststellen kann genügen Zirkel und Winkel, nicht nur Symbole der Freimaurer, sondern auch der Bauhütten, um jedes Element konstruieren zu können. Profile_007.jpg (31775 Byte)
Wenn ich nun behaupte, dass mit diesen Elementen nicht nur Profile konstruiert wurden, die ja, wie diese Zeichnungen eindeutig darstellen, eine gewisse Wesensverwandtschaft zu "Kreis und Quadrat " haben, und sage, dass meines Erachtens die komplette Kathedrale auf diesem Kreis - und dem Quadratkonstruktionsprinzip basiert, so gebe ich zunächst einmal die simple Konstruktion eines gotischen Bogens über eben diese Elemente zum besten. Die Fig.4,  rechts unten wird mit Kreis und Quadrat konstruiert, während die anderen Bögen mit zusätzlicher Hilfe des Dreiecks gestaltet wird, was in diesem Fall ein durch die Diagonale halbiertes Quadrat ist.

 

Profile_008.jpg (49859 Byte)
In den folgenden Bildern schweife ich, meiner Natur als "interrupted system" folgend vom geometrischen Standpunkt ab. Diese Einführung wird in absehbarer Zukunft weiterverfolgt, insbesondere in Zusammenhang mit der Erläuterung der mittelalterlichen Mensur und ihrer Konstruktion sowie dem Gebrauch des "Arcanum's". Hier wird nun ein wesentlich tieferer Weg gegangen und dargestellt, nämlich wie die mittelalterliche Gesellschaft neben der rechnerischen (uns fassbaren) Gestaltung mit diesen Hilfsmittel umgegangen ist, indem sie damit geistige, philosophische und alchimistische Entdeckungen damit unternahm (uns unfassbar).

Das Quadrat galt in der Darstellung oft als Festung und hier  als die Stadt Jerusalem, wirkte also noch aus der Zeit der Kreuzzüge herüber. Aber in der Stadt Jerusalem sah man bereits das auf der Erde zu errichtende Paradies. Aus zahlreichen Palästina-Plänen im üblichen Schema des viergeteilten Kreises enthüllt es durch den Kreis, das Symbol des Himmlischen, also auf das Jenseitige zeigend. (Bild St. Bertin 1170)

Jerusalem.jpg (74611 Byte)
 

Wen nimmt es da Wunder, dass die Siegel der Steinmetze aus den erwähnten Grundelementen bestehen, die eben immer weiter variiert werden. Was macht denn der Steinmetz anderes, als an der Stadt Jerusalem zu bauen ?

 

Steinmetz_623.jpg (65620 Byte)
Hier die größte gotische Kathedrale die je geschaffen wurde, viele Kilometer weit sieht selbst das verdorbendste Auge auf Anhieb ein großes Auge : die Rosette gefasst in einem Quadrat : Chartres. chartres_007.jpg (40003 Byte)
 

Leonardo da Vinci wird heute in vielfacher Hinsicht als bedeutender Renaissancekünstler verehrt und gefeiert. Kaum beachtet wird allerdings, dass Leonardo sich  intensiv mit dem Gedankengut des "Corpus Hermeticum" befasste. Leonardos Proportionsstudie nach Vitruv hat eine außergewöhnliche Perspektive bei allen vergleichbaren Grafiken : Das Quadrat ist innerhalb aber auch außerhalb des Kreises, und dies scheint mir wichtig in Anbetracht aller rationaler Überprüfungen an verschiedenen Kunstwerken aus der Renaissance, es passt nicht exakt, sondern nur ungefähr !

 

leonardo.jpg (71742 Byte)
 

Viele geheime Siegel und Zeichen offenbaren nichts als ein Quadrat das einen Kreis in sich birgt

 

Siegel.jpg (47220 Byte)
Die im Quadrat enthaltene "vier" inspirierte natürlich zu vielen verschiedenen Symbolen

 

 

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Der ptolemäische Kosmos wird in der nachfolgenden Grafik mit Angabe der Tonintervallen, die den Abständen der Himmelskörper und ihren verschiedenen Geschwindigkeiten entsprechen sollen : Erde  - Mond = ein Ganzton. Mond - Merkur - Venus = je ein Halbton  Venus-Sonne = drei Halbtöne, Sonne-Mars = ein Ganzton  etc.  die beiliegende Grafik stammt aus 820 n.Chr. Von dieser Idee hat sich auch Kepler begeistern lassen, und wie man weiß auch Hans Henny Jahnn. Kosmos_ptolm.jpg (50357 Byte)
 

Auch in der tantrischen Philosophie taucht das Element des Kreises im Quadrat auf. Hier eine Darstellung, die im ersten Bild die Urmaterie zeigt, dann das Gleichgewicht der drei Qualitäten  zu Beginn der Schöpfung und dann unser gesuchtes Bild mit der Vielfalt der Welt. Es handelt sich bei dieser Darstellung um eine Malerei ca. 18 Jahrh. Indien

trantrische_Ajpg.jpg (56126 Byte)
Die Erschaffung der Welt, im Garten der Lüste von Hieronymus Bosch, stellt wieder das hier gesuchte Motiv der Quadratur des Kreises dar. eine eigenartige Perspektive eines Malers aus 1519. Man könnte auf den ersten Blick meinen ein Salvadore Dali hätte sich hier verirrt.

 

Bosch.jpg (54720 Byte)
 

der alternative Lebensreformer Hugo Hoeppner(1868- 1948) entwarf den nebenstehenden Monumental-Tempel, der wie man unschwer erkennen kann wieder unserer Thematik des quadrierten Kreises entspricht. In diesem theosophioschen Weihetempel sollten wagnerianisches Pathos mit freimaurerischem Initationskult verbunden werden. Nordisches "Lichtmenschentum" und "Freikörperkultur", was später für heftige Irritationen in Germanien sorgte.

 

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einfachste geometrische Darstellungen dynamischer Kräfte werden im hinduistischen Kult "Yantras" genannt. Diese Yantras sind Grundbilder für die stufenweise Entwicklung einer Vision. Auch hier entdeckte ich das Motiv mit Quadrat und Kreis. Den Alchimisten sei die Quadratur des Kreises nichts Fremdes, schreibt Michael Maier 1618, durch das Viereck aus dem Kreis deuten sie an, dass aus jeglichem einfältigen Körper die vier Elemente geschieden werden müssen. Durch die Verwandlung des Quadrats in ein Dreieck lehren sie, dass man Geist, Leib und Seele hervorbringen soll, welche dann in drei kurzen Farben vor der Röte erschienen.

das nachfolgende Bild stammt aus Michael Maier Atlanta fugiens 1618

Maier_466.jpg (102684 Byte)
 

Die geometrische Darstellung des pythagoräischen Tetraktys nach Sprüchen anonymer arabischer Alchimisten. Der innere Zirkel repräsentiert die mikrsokopische Eins, die über den Viererschritt zur makrokosmischen Zehn wird. 

nachfolgendes Bild aus Stolcius vn Stolcenberg 1624

 

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Der Geist ist das Dreieck, welches hier als geistliches Wasser dargestellt ist, das auf dem "Salz der Philosophen basiert : eine rätselhafte Sprache und Darstellung, eine Allegorie an das Regiment des Feuers, welches dargestellt ist durch Schwert und Waage.

Bild aus Stolcius vn Stolcenberg 1624

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Der Magier Agrippa von Nettesheim (1486-1535) hat seine Spuren auch im Werk von Dürer hinterlassen und er ist geprägt von den gnostischen Lehren des sagenumwobenen Hermes Trismegistos, des Urvaters aller Hermetiker, Esoteriker und Alchimisten. Von Nettesheim stellt den Menschen nicht mehr in die Stufenleiter die zu Gott führt, sondern er stellt ihn in den Mittelpunkt. Vielleicht ist dies der Beginn einer unaufhaltsamen "Faustwerdung" oder Menschwerdung, ein Unabhängigwerden des Menschen von Gott. Auch er übernahm wie Leonardo die geometrischen Figuren von Vitruv. An beiden menschlichen Figuren werden, je nachdem ob diese im Quadrat oder im Kreis stehen andere Proportionsschemata gesehen und angewandt : der untere Mensch im Quadrat beispielsweise streckt die Arme völlig waagrecht, während die obere Figur die  Arme etwas in die Höhe heben muss, um den Kreis zu bilden. Derartige Sichtweisen können zu verschiedenen Kanonen führen, zu anderen Wertetabellen und Berechnungen, ja sogar zu vollkommen unterschiedlichen ästhetischen und philosophischen Welterklärungen.

 

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ERGÄNZUNG am 28.April 2004

Anastasius Kirchner fand mit der abgebildeten Geometrischen Konstruktion ein Mittel zur Gewinnung von Proportionen. Damit war es auch im Orgelbau endlich möglich Mensurenblätter zu erstellen. Die kleiner werdenden Quadratseiten werden mit dem Zirkel abgetragen und zur Konstruktion von Mensurdreiecken verwendet. Neben dieser Methode, welches die geometrische Konstruktion mit Kreis und inliegendem Quadrat zu einer Mensur von 1:1,414 (1: Wurzel aus 2) darstellt, öffnet diese Methode aber noch eine andere, nämlich eine geheimnisvolle esoterische Welt : es ist das vom Makrokosmos in den Mikrokosmos Hinüberschreiten. Ähnlich dem Gegenüberhalten zweier Spiegel. Hier offenbart sich wieder einmal das wunderschöne Geheimnis "Geometrie", das sich nicht in "facts" oder Zahlen erschöpft sondern sinnlich tiefgreifend erfahrbar werden kann.

 

Die verborgene Geometrie in Raffaels "Schule von Athen" ist eine Schrift des Deutschen Museums, in der Richard Fichtner zum 500 Geburtstag Raffaels eine umfassende Untersuchung anhand einer darin abgebildeten Sternfigur vornimmt. In der Schrift werden verschiedene Methoden verwendet die  überzeugend  darlegen, dass das Genie Raffael wohl eher unbewusst eine tiefgründige Geometrie in diesem bedeutendem Gemälde angelegt hat. Neben dem Anliegen des Verfassers, dass hier eben  anhand einer Sternfigur eine komplexe Perspektive konstruiert wurde, fiel mir auf, dass das gesamte Bild daneben in eine einfache Kreis - und Quadratform zerlegt werden kann. Allein der riesige Bogen über den Häuptern der Philosophen und das wuchtige Quadrat des Raumes sind hier so stark, dass direkte geometrische Nachprüfung unbedeutend ist. 

Die Schrift jedoch erhellt einen weiteren wichtigen Umstand, nämlich den, dass tatsächlich eine komplexe Geometrie in diesen und vielen anderen Gemälden vorhanden ist, aber versteckt, also nicht offensichtlich ist. Wer also meint, mit ein paar billigen Dreieckskonstruktionen und dem Goldenen Schnitt sind diese Renaissancebilder erschöpft täuscht sich gewaltig, gerade diese einfachen Schematas sind oftmals aufgesetzt und eher hineinkomponiert als herausgelesen.

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Der Kreis und der Punkt : der Kreis ist das Zeichen der Ewigkeit, der Punkt das Symbol der Konzentration der Zeit auf den Augenblick. Punkt und Kreis stellen Mikro - und Makrokosmos dar. Aus Punkt und Kreis entwickelt sich die Perspektive-  

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J.Kepler, Mysterium Cosmographicum, 1660.  Kepler glaubte die Ideen Platons, der annahm, das die Welt aus kleinsten geometrischen Teilchen besteht, bei den Abständen der Planeten gefunden zu haben. Auch hier sollte zunächst die Kugel ein riesiges Quader beinhalten, was wiederum Quadrat zu Kreis fügt.  

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eine sehr interessante Definition fand ich bei Klausbernd Vollmar / Konrad Lenz in "Traumdeutung" www.kbvollmar.de

Das Quadrat, eng mit der Zahl Vier verbunden, versinnbildlicht Ganzheit und seelische Ausgeglichenheit. Symbolisch steht es dem Kreis nahe. Während der Kreis das göttliche Selbst symbolisiert, steht das Quadrat für die materielle Existenz des Menschen. Die Quadratur des Kreises, die Verwandlung eines Quadrats in einen flächengleichen Kreis, versinnbildlicht das letztlich vergebliche Bemühen des Menschen, sein irdisches Sein in das der Gottheit übergehen zu lassen. Somit symbolisiert ein Quadrat zusammen mit einen Kreis einen scheinbar unlösbaren Konflikt der Person des Träumenden. Seine vier regelmäßigen Seiten vermitteln Zentrierung, aber auch statisches Verharren und Gleichförmigkeit.

 
Öl - und Materialbild "Blakk Sol" von gwm (Anclicken vergrößert das Bild)

Die Kombination von Kreis und Quadrat stellen den symbolischen Ausdruck für die Ganzheit des Alls und bildet die Grundstruktur für Mandalas. Dies sind Meditationsfiguren mit makro-mikrokosmischer Bedeutung.. Im Mandala und anderen kreisbezogenen Figuren fallen die kosmische Mitte der äußeren Welt und die persönlich Mitte der inneren Welt zusammen. Der Kreis wird zum Symbol des Selbst. In der buddhistischen Zenmalerei weist ein leerer oder ganz schwarzer  Kreis auf die Einheit und Vollkommenheit des Seins. Alle zirkulären Formen können zum Symbolischen Ausdruck von Harmonie, Ganzheit und Vollkommenheit werden.  Die Vorstellung deus est circulus reicht von der Orphik über den Neuplatonismus und die christliche Mystik bis zur Romantik. Für Meister Eckhart ist Gott "reif aller creaturen". Ring und Kreis weisen auch auf die "Dreifaltigkeit". In Zusammenhang mit dem Sonnenlauf wird die Zeit als Bewegung im Raum erlebt: der Kreis wird zum Symbol der Zeit(altmexikanische Kalenderscheibe, Rad der Zeit bei den Jaina, Ziffernblatt bei der Uhr). Der Lauf der Sonne im Tierkreis erscheint als Weltenuhr. Ohne Anfangs- und Endpunkt wird der Kreis auch zum Symbol der Ewigkeit.. Im Buddhismus ist das zeitlos-ewige Nirvana "die runde Frucht".

ERGÄNZUNG am 28.März 2004

regelrecht elektrisiert wurde ich, als mir heute ein Blatt in die Hände fiel, das fast eine "klassisches Quadratur" -  Problemstellung aufwarf : die Grundrißkonstruktion des griechischen Theaters nach Virtruv 5,7. Es fällt einem wie Schuppen von den Augen, hier auf erstem Kulturboden in Europa wurde etwas hervorgebracht, dass unsere Sinne dreitausend Jahre beschäftigen sollte. Klar ist natürlich auch, dass jede griechische Säule ein solches "Quadratur-Rätsel" mit sich bringt, wenn man den Grundriss der runden Säule mit dem quadratischen Sockel sieht.

 

ERGÄNZUNG am 21.August 2004

ist es Zufall oder ist es einfach eine im esoterischen Sinne "blanke Offensichtlichkeit", die keiner wahrnimmt, weil keiner "glaubt", nämlich, dass alle Musik (alle Harmonie), seitdem es einen Handel damit gibt, in solchen quadratischen Kreisen seinen Halt findet. Nie gab es einen anderen nennenswerten Handel mit Musik als in Schallplatten und ihren Hüllen und nun in CD's und ihren Jewel-boxes, und wie oft ist uns da aufgefallen, dass es sich hier um eindeutiges Quadraturphänomen handelt? Müssen wir zu den Griechen oder ins Mittelalter ausweichen, weil wir in unsere Zeit verblendet sind ?

ERGÄNZUNG am 11.September 2004

heute am 11.09.2004 ist mir der "totale" Beweis gelungen  für die These, dass das Mittelalter in der Quadratur ein elementares Konstruktionsprinzip verwendete. Und zwar kam mir der große franz. Architekt Le Corbusier ( 1887-1965 zu Hilfe mit einer "Aufriss-Regel" im Sinne seiner "modularen Gestaltungsprinzipien" an der Kathedrale Notre-Dame zu Paris. Wunderschön hier auch das Zahlenverhältnis 3:2, und die mit dem Kreis konstruierten Türme. Die Architekten können nur am Monochord gesessen haben.

ERGÄNZUNG am 20.Feb.2008

Das Titelblatt der "Stilformen der Weltarchitektur" enthält ein Konstruktionsblatt einer ionischen Volute, das sind die Schnecken jener griechischen Säulenkapitele, wie man sie rechts sieht. Ich habe in der Zwischenzeit rund 6-7 Bücher ausfindig gemacht, besonders aus der Zeit von 1600 bis 1760, wo man in Renaissance und Klassizismus die Konstruktion solcher antiken Tempel beschreibt und um die "Quadratur" nicht herum kommt. Empfehlenswert in diesem Sinne ist auch "Architektur Theorie- von der Renaissance bis zur Gegenwart" erschienen im Taschen-Verlag.

Damit scheint klar zu sein, dass alle abendländische Architektur bis einschließlich der Romantik mit Quadrat und Kreis konstruiert haben. Die Auffassung, dass die Gotik ganz elementar mit dem Dreieck gearbeitet habe, stimmt nur insofern, wenn man es als rechtwinkliges Dreieck bezeichnet. Und das ist bekanntlich das Quadrat mit einer Diagonale halbiert und das durch die Gotiker mit Thales- und Phytagoras- Geometrie konstruiert und berechnet werden konnte.

wichtige Erkenntnis ist hier ein weiteres Symbol, das die Griechen fanden: die Spirale. Der Ausgangspunkt der Spirale, das was Aristoteles als den "unbewegten Beweger" bezeichnete, ist bei der ionischen Säule ebenfalls eine "Quadratur"! Man sehe sich das vergrößerte Bild rechts genau an. Ganz entscheidend ist, dass also das, was wir als das Auge des Zyklopen, das Auge des Wirbelsturms oder der Galaxie, also ihren unmittelbaren Urgrund erfassen, bei den Griechen klar und deutlich als Quadraturphänomen gesehen wurde. Mit der Spirale wird die Bewegung, das Werden ausgedrückt, mit dem Auge, die Idee, das Sein.

 

ERGÄNZUNG am 12.12. 2006

conclusio

Wenn wir glauben und daran arbeiten, dann erschaffen wir etwas "neu", nur so entsteht Welt. Die Interpretation dessen oder jener Welt überlassen wir den Wissenschaften oder den Interpreten, das sind die zweit- und drittrangigen Künstler. Diese Aussicht hat Nietzsche in einem Zitat niedergelegt, das aber nicht einfach und eingängig ist.

Der große "Esoteriker" Friedrich Nietzsche sagt uns dabei etwas, was auch "Individuation" sein kann, und was es immer noch bei geheimen Gesellschaften ist. Wer mit "Aberglauben" nichts anfangen kann, dem empfehle ich das Wortspiel "Über-glaube", "Ober-glaube", was "über-etwas-hinweg" Glauben meint, und nicht die missbilligende Formel heutiger "Wissender", die sich in ihrem engen, quadratischen Hamsterkäfig bewegen, mit riesigen Gerätschaften, in der Meinung sie seien der "Weltformel" nahe gekommen.

Alles, was wir nicht mit unseren Sinnen aufnehmen können, wozu also "Prothesen" erforderlich sind, schafft der Mensch neu - und glaubt irgendwann an dieses Geschaffene. Sei es ein "Universum in der Nußschale" wie Stephen Hawking oder nur virtuelle Welten, wie sie hier auf dem Internet laufend neu entstehen.

Wir haben in der deutschen Sprache das Wort "Wirklichkeit", das besagt, etwas das wirkt ist Bestandteil der Realität oder gar alle Realität, egal wie seine materielle Konsistenz ist. Bei den Angelsachsen hat  das Wort "reality" eine ganz andere Bedeutung. Es kommt vom lateinische real= dinglich, sachlich und meint etwas "Materielles". Hier haben wir eigentlich schon die ganze abendländische Philosophie am Zipfel, die sich in "Idealismus" gegen "Realismus" scheidet. "Gibt es überhaupt Dinge, oder entsteht alles im Kopf" fragen die einen, die anderen sagen" es gibt nichts außer der Materie".

Am Ende aber entscheidet jeder für sich  selbst, bewusst oder unbewusst. Und dann fallen solche Fragen wie "Quadrat und Kreis" = "Materie und Idee" ganz entscheidend in die Debatte, weil bei aller Abstraktion, doch immer wieder aussagekräftige Symbole und Bilder starre Gedankenschematas leicht auflockern.

(Gerhard Walcker-Mayer) 12.12.06

 

 

Aberglaube

Der Aberglaube ist die Freigeisterei zweiten Ranges. Wer sich ihm ergibt, wählt gewisse ihm zusagende Formen und Formeln aus und erlaubt sich ein Recht der Wahl. Der Abergläubische ist im Vergleich mit dem Religiösen immer viel mehr "Person" als dieser, und eine abergläubische Gesellschaft wird eine solche sein, in der es schon viele Individuen und Lust am Individuellen gibt. Von diesem Standpunkt aus gesehen, erscheint der Aberglaube immer als ein Fortschritt gegen den Glauben.

Fröhliche Wissenschaft

Friedrich Nietzsche * 1844 in Röcken bei Weißenfels/Thüringen, † 1900 in Weimar

 

 
 

 

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